Weiterer Stellenabbau bei Schweizer Banken

Meldungen über Entlassungen im Finanz- und Bankensektor häufen sich auch in der Schweiz. Die UBS hat Ende Oktober angekündigt, im Zuge einer deutlichen Verkleinerung des Investment Bankings weltweit weitere 10’000 Stellen abzubauen, davon ein Viertel in der Schweiz. Seit der Finanzkrise 2008 ist die Anzahl der Beschäftigten bei der UBS bereits um 20’000 Stellen gesunken. Die Bank, 2012 noch mit einem Personalbestand von ca. 64’000 Mitarbeitern, soll bis 2015 noch rund 54’000 Beschäftigte zählen.

Der Stellenabbau betrifft hauptsächlich die Investmentbank in London sowie einzelne Abteilungen in New York und in Zürich. In der Schweiz fallen rund 2500 Stellen in unterstützenden Funktionen des Investment Bankings wegfallen. Betroffen sind Support-Bereiche in der IT, in den Personalabteilungen und im Back-Office. Der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) zeigte sich besorgt über den Stellenabbau bei der UBS, und warnte vor übereilten Entlassungen von Fachkräften, gerade im Bereich IT: „Der SBPV hält Entlassungen solcher Fachkräfte für fragwürdig, denn sie spielen für die Zukunftsfähigkeit der Banken eine zentrale Rolle. Ein Abbau oder eine Verlagerung solcher Arbeitsplätze ist risikoreich und untergräbt das ‚Swissness‘-Qualitätssiegel der hiesigen Finanzbranche, von dem die Reputation unserer Banken ganz wesentlich profitiert.“

Doch nicht nur die UBS, auch andere grosse Finanzinstitute stehen unter Druck. Verschärfte Eigenmittelvorschriften und weitere neue regulatorische Massnahmen für systemrelevante Grossbanken führen dazu, dass Teilsegmente des Investment-Bankings kaum noch rentabel sind.

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Die Credit Suisse baut ihr Geschäft bereits seit Monaten um, 2500 Arbeitsplätze wurden in dieser Zeit schon gestrichen. Dieser Prozess ist längst nicht abgeschlossen: So gab die Bank Anfang November 2012 eine Zusammenlegung der Bereiche „Private Clients Switzerland“ und „Private Banking Switzerland“ bekannt, verbunden mit einem weiteren Abbau von 300 Stellen in der Schweiz. Viele Experten gehen davon aus, dass der angekündigte massive Stellenabbau bei der UBS den Druck auf andere grosse Finanzinstitute wie die CS noch erhöhen wird. 

Der Personalabbau bei der UBS läuft über drei Jahre, wobei die natürliche Fluktuation ausgenützt werden soll, um Entlassungen zu vermeiden. In London wurden jedoch bereits am Tag der öffentlichen Ankündigung des Stellenabbaus zahlreiche Händler per sofort freigestellt, in den USA sei Mitarbeitern per Telefon gekündigt worden. In der Schweiz steht ein Sozialplan bereit, der ein Coaching-Programm für betroffene Mitarbeiter vorsieht: Fachkräfte aus der Personalabteilung sollen die vom Stellenabbau Betroffenen bereits vor der eigentlichen Kündigung mittels Standortbestimmung oder Hilfe bei der Stellensuche unterstützen. Bis zu 6000 CHF stünden pro Mitarbeiter für Umschulungen bereit. Können die Betroffenen nicht innerhalb der Bank weitervermittelt werden, liegen je nach Dienstalter Abfindungszahlungen bis zu einem Jahresgehalt drin.

Personalverantwortliche gehen jedoch davon aus, dass es gerade für Investmenbanker schwierig werden könnte, eine neue Stelle zu finden. Von betroffenen Händlern sei in erster Linie Flexibilität gefragt. Der TagesAnzeiger vom 30.10.2012 zitiert Pascal Hahn, ein auf die Rekrutierung von Bankpersonal spezialisierter Headhunter: „Investmentbanker, die in der Corporate Finance tätig waren, können mit Glück in einem grossen Unternehmen wieder etwas finden. Andere müssen sich umorientieren und auf tiefere Gehälter einstellen“. Weniger schwierig dürfte die Jobsuche beim derzeitigen Fachkräftemangel dagegen für die betroffenen IT-Mitarbeiter werden.

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