Home Office & Heimarbeitsvertrag: Arbeiten von zu Hause

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Artikel zuletzt aktualisiert am 10. Mai 2012

Viele Berufstätige würden ihren Arbeitsalltag gerne flexibler gestalten und häufiger von zu Hause aus arbeiten. Der Arbeitsweg ist für viele Berufstätige ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor. Auch kann die Arbeit von zu Hause aus die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern.

Bei der Heimarbeit muss jedoch einiges geregelt werden, beispielsweise die Art, wie die Arbeitszeit gegenüber dem Arbeitgeber nachgewiesen wird. Auch ist es im Bereich der Heimarbeit oft schwierig, seriöse Jobangebote zu finden. Und auch arbeitsrechtlich gilt es einiges zu beachten: Im Gesetz ist Heimarbeit bzw. der Heimarbeitsvertrag in OR 351ff. unter „Besondere Arbeitsverträge“ geregelt sowie im Heimarbeitsgesetz (HArG) und der Heimarbeitsverordnung (HArGV). Die Regeln des Heimarbeitsvertrags weisen im Verhältnis zu den allgemeinen arbeitvertraglichen Bestimmungen in einigen Bereichen Besonderheiten auf; so bei den Pflichten von Arbeitgeber und Heimarbeiter.

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Doch Heimarbeit bringt nicht nur dem Arbeitnehmer Vorteile, sondern kann sich auch für den Arbeitgeber lohnen: In bestimmten Branchen und unter gewissen Bedingungen kann Heimarbeit auch beachtliche wirtschaftliche Vorteile haben. Potential hat dabei in erster Linie „Teilzeit-Heimarbeit“, bei der die Beschäftigten zwischen einem und drei Tagen ihrer wöchentlichen Arbeitszeit in der Wahl ihres Arbeitsplatzes mobil sind bzw. von zu Hause aus arbeiten können, die restlichen Tage dagegen im Büro präsent sein müssen.

In erster Linie bei Büroarbeitskräften wäre laut Oliver Gassmann, dem Direktionsvorsitzenden des Instituts für Technologiemanagement der Universität St. Gallen, das Potential für eine Produktivitätssteigerung durch partielle Heimarbeit gross: In der Schweiz sind heute 50% der Beschäftigten als sog. „Wissensarbeiter“ tätig. Von diesen hätten ca. 20%, d.h. 450’000 Beschäftigte, das Potential, einen Tag pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Mit einem solchen Home Office Day könnten laut Gassmann nach der Erfahrung führender Unternehmen mittels „Desk-Sharing“ pro Arbeitsplatz Kosten von bis zu 30 Prozent und zudem Bürofläche eingespart werden.

Wie Gassmann schreibt, senkt Heimarbeit auch die Krankheits- und Abwesenheitsraten von Angestellten deutlich: „Betrachtet man das Gesamtbild, dann sind fünf Tage pro Woche ans Büro gebundene Mitarbeiter doppelt so häufig abwesend im Vergleich zu Mitarbeitern an wechselnden Standorten. Auch die Häufigkeit von Burnouts sinkt von 48 Prozent auf gerade mal 5 Prozent, wenn man Mitarbeitern gestattet, selbst zu entscheiden, wo sie arbeiten.“

Auch liege in der Heimarbeit grosses Potential, da die Konzentration verbessert werden könnte und die Mitarbeiter weniger Zeit in unproduktiven Meetings verbringen: Ein Büroangestellter wird im Durchschnitt alle 11 Minuten bei der Arbeit unterbrochen. Die moderne Hirnforschung konnte zeigen, dass jeweils 8 Minuten benötigt werden, bis nach einer Unterbrechung wieder die volle Konzentration erreicht ist. Heimarbeit könnte daher helfen, diesen täglichen Arbeitsunterbrechungen im Büro stark zu senken. Gassmann schreibt, ein Home-Office-Tag pro Woche biete die Chance, pro Mitarbeiter wöchentlich bis zu etwa 4,85 Meeting- Stunden einzusparen, „da die Barrieren für ein Ad-hoc-Meeting höher sind, zumindest bei 4 Tagen sonstiger Präsenz im Unternehmen.“

Durch einen Tag Heimarbeit pro Woche könnte ein durchschnittlicher Schweizer Arbeitnehmer ausserdem wöchentlich ca. 40 Minuten Pendelzeit zwischen Wohn- und Arbeitsort einsparen – ein Zeitgewinn,  der die Produktivität unabhängig davon erhöhe, ob die gesparte Zeit für Arbeit oder Lebensqualität aufgewendet würde. Gesamtschweizerisch könnte ein Heimarbeitstag pro Woche laut Gassmann den folgenden positiven Effekt haben: „Die Schweiz hat eine durchschnittliche jährliche Produktivitätssteigerung von 1,3 Prozent. Durch einen Home Office Day und die daraus resultierenden Veränderungen kann die Produktivität gesamthaft um 10 bis 30 Prozent gesteigert werden. Bei 450 000 potenziellen Home-Office-Day-Teilnehmern ergibt sich für die Gesamtschweiz ein jährliches Potenzial für Produktivitätssteigerung von 2 bis 5 Prozent.“

Quelle: HR Today Januar/Februar 2011

„Home Office Day“ am 10. Mai

Am 10. Mai 2012 findet zum dritten Mal der Nationale „Home Office Day“ statt – Ziel ist es, die Idee der Heimarbeit populärer zu machen. Der „Home Office Day“ steht unter der Trägerschaft von grossen Unternehmen wie der Swisscom, Microsoft Schweiz oder der SBB und Organisationen wie dem Economiesuisse, dem Bundesamt für Energie, dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, WWF oder Pro Familia. Forschungspartner sind unter anderem die ETH und die Fachhochschule Nordwestschweiz. Teilnehmen können auch Firmen und Einzelpersonen – unter anderem mit dem Ziel, durch Verzicht auf den Arbeitsweg den Pendlerverkehr zu entlasten, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sorgen. Wie die Inititanten schreiben, würden immer mehr Unternehmen dem Aufruf folgen, Möglichkeiten für einzelne Home-Office-Tage anzubieten.

„In einer von der ETH Zürich und der Hochschule für Angewandte Psychologie (Fachhochschule Nordwestschweiz) durchgeführten Studie wurden 195 Teilnehmer des Home Office Day 2011 befragt. 69% der befragten Personen, die im Home Office arbeiten, sind männlich und 31% weiblich. Das Durchschnittsalter liegt laut Studie bei 41 Jahren, die meisten arbeiten zwischen einem halben Tag und zwei Tagen pro Woche zu Hause, und dies bereits seit einem Jahr oder länger. Sie erachten das Home Office als eine Art «Refugium für selbstbestimmtes und ungestörtes Arbeiten». 69% fühlen sich produktiver im Home Office, und 78% schätzen besonders, dass sie ungestört arbeiten können. 88,5% erleben die wegfallende Reisezeit und 61,3% die bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben als Vorteil. 48,7% gaben an, die Nähe zur Familie als besonders wertvoll zu erachten.“

Quelle: Medienmitteilung zum Home Office Day 2012

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