Wirtschaft – SWIPRA Corporate Governance Umfrage 2018

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Abnehmender Einfluss der Stimmrechtsberater

Einleitung

Die Swipra Services AG hat ihre diesjährige Corporate Governance Umfrage vorgestellt.

SWIPRA hat ihre 6. Umfrage in Zusammenarbeit mit einem Forscher-Team des Instituts für Banking und Finance der Universität Zürich durchgeführt.

Die Umfrage hatte Themen zum Gegenstand wie:

Befragt wurden institutionelle Anleger und börsenkotierte Unternehmen. Die Studie beruht auf den Angaben von

  • 80 Unternehmen, welche Mitglieder im Börsenindex Swiss-Performance-Index (SPI) sind
  • 44 Vermögensverwalter
  • 30 Vorsorgeeinrichtungen.

Die aktuellen Erkenntnisse aus der Befragung der institutionellen Anleger und börsenkotierten Unternehmen sollen nachfolgend kurz resümiert werden:

Zunehmend eigene Analysen der Investoren

Die SWIPRA Corporate Governance Umfrage 2018 liefert insofern neue Erkenntnisse zur Rolle der Stimmrechtsberater, als offenbar grosse internationale Investoren vermehrt standardisierte Daten der Stimmrechtsberater als Grundlage für ihre eigene Meinungsbildung und Entscheidungsfindung abrufen, anstatt bloss den Abstimmungsempfehlungen zu folgen.

Reduzierter Einfluss der Stimmrechtsberater

Die Eigenbefassung und Eigenanalysen der Investoren, statt sich auf Abstimmungsempfehlungen zu stützen, bewirke einen abnehmenden Einfluss der Stimmrechtsberater.

Direkter Dialog der Investoren mit den Unternehmen

Die Vorgehensänderung der Investoren führe auch zu einem veränderten Kommunikationsverhalten: Der direkte Dialog zwischen den Investoren und dem Verwaltungsrat gewinne weiter an Bedeutung. Zudem würde das gegenseitige Verständnis gefördert.

Investoren wollen mehr Informationen

Die SWIPRA Umfrage zeigte, dass Investoren mehr Informationen forderten, nämlich:

Diversitäten

Die Umfrage setzte sich auch mit den Diversitäten auseinander:

  • fachliche Diversität
    • Das fachliche Wissen wurde als sehr wichtig eingeschätzt
      • Unternehmen (96 %)
      • Investoren (84 %)
  • persönliche Diversität
    • Die persönlichen Diversitäten wie Geschlecht, Herkunft oder Alter wurden unterschiedlich beurteilt
      • Schweizer Investoren und Pensionskassen (39 %)
      • Internationale Investoren (78 %)
  • Sozialverantwortlichkeit (Corporate Social Responsibility (CSR))
    • International Investoren seien der Meinung, dass schweizerische Unternehmen zu wenig sozialverantwortlich handeln würden und die CSR-Ziele nur ungenügend in der variablen Vergütung verankert seien
      • Befragte Investoren (36 %)
      • Internationale Grossanleger (53 %)

Exkurs aus den Umfrage-Detailergebnissen

„CSR findet oft durch qualitative (nicht-finanzielle) Leistungsziele Eingang in die variable Vergütung. Qualitative Leistungsziele, etwa ethisches Verhalten oder ein funktionierendes Compliance-System, haben gemäss 70.5% der Investoren und 73.3% der Unternehmen einen grossen Einfluss auf die Erreichung von langfristigen, strategischen Zielen. Allerdings gaben 72.7% der Investoren an, dass sie mit der Offenlegung zu qualitativen Zielen nicht zufrieden sind (bei quantitativen Zielen waren 38.6% unzufrieden). Zu-dem ist die Hälfte der Investoren (48.2%) der Meinung, die Erreichung qualitativer Ziele dürfe nicht zu einem höheren Bonus führen – bei Nicht-Erreichung müsse der Bonus aber gekürzt werden. Diese Meinung teilen lediglich 26.3% der Unternehmen.“

Weitere Resultate

Die SWIPRA Umfrage 2018 lieferte u.a. weitere Erkenntnisse, und zwar zu folgenden Themen:

  • Wirtschaftsprüfer
    • Unabhängigkeit des externen Prüfers
      • Unabhängigkeitsannahme
        • Investoren (50,8 %)
        • Unternehmen (91.7%)
    • Prüfung des CSR-Berichts
      • Investorenwunsch
        • Investoren (58,6 %)
      • Unternehmensablehnung
        • Unternehmen (73.2%)
  • Auszahlungspolitik
    • Nachhaltigkeitsannahme
      • 0% der Investoren
    • Meinung, dass durch die Auszahlungspolitik die Höhe der variablen Management-Vergütung direkt beeinflusst werden könne
      • 91,6 % der Investoren
  • Regulierung
    • Schutz der Minderheitsaktionäre
      • Annahme eines ausreichenden Schutzes
        • 6% der Unternehmen
        • 1% der Investoren
    • Opting-out / Opting-up
      • Kritische Einstellung der internationalen Investoren in Bezug auf das Opting-out/Opting-up.

Wertemanagement schafft Vertrauen

Professor Alexander Wagner vom Institut für Banking und Finance der Universität Zürich kommentierte:

  • «Insbesondere bei den qualitativen, nicht-finanziellen Kriterien der Vergütung gibt es zu oft unterschiedliche Auffassungen zwischen Investoren und Unternehmen.
  • Gerade das Vergütungssystem ist und bleibt aber zentral für das allgemeine Vertrauen, das Investoren in ein Unternehmen haben. Vertrauen schafft Unternehmenswert:
    • Es senkt Kapitalkosten und ermöglicht eine langfristige Perspektive in der Unternehmensführung.
    • Deshalb lohnt es sich, in ein gemeinsames Verständnis des Wertmanagements in einem Unternehmen zu investieren.»

Ein Newsletter von SWIPRA gibt einen Überblick über die Umfrage-Ergebnisse:

Wer sich mit den Details der Umfrage befassen will, möge dies direkt in der Studie nachsehen:

Quelle

LawMedia-Redaktionsteam