Familienrecht: Familien in der Schweiz und Kinderkosten

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Alles eine Organisationssache

Einleitung

Wer die Erfahrung machen durfte, Eltern zu werden und eine Familie zu gründen, kann bestätigen, dass dies ebenso herausfordernd wie bereichernd ist.

Der Bericht des Bundesrates «Familien in der Schweiz» von 2017 gibt Aufschluss über das „Eltern-sein“.

In der Schweiz sollen sieben von zehn Frauen und circa zwei Drittel der Männer im Alter von 25 bis 80 Jahren Eltern von einem oder mehreren leiblichen oder adoptierten Kindern sein.

Die zentralen Themen, die das Bundesamt für Statistik (BFS) in seinem Beitrag erfasst hat, sind:

Nachfolgend setzen wir uns mit den Erkenntnissen des BFS auseinander; hiezu werden auch auszugsweise Schematas wiedergegeben.

Haushalte und Lebensformen

Haushalte und Lebensformen sind von einer gewissen Wechselseitigkeit geprägt.

Aus den Statistiken lassen sich folgende Gestaltungen bzw. Zusammenleben der Bevölkerung feststellen:

  • Haushalte mit mindestens einem Elternteil und einem Kind unter 25 Jahren
    • rund 50 %
  • Haushalte verheirateter Eltern mit ihren gemeinsamen Kindern
    • 75 % der erstgenannten Haushalte
  • Einelternhaushalte
    • Einer von 7 Haushalten
    • Weniger Kinder pro Haushalt in Einelternhaushalten als in Paarhaushalten
    • Im Durchschnitt ältere Kinder in Einelternhaushalten als in der Paarhaushalten
    • Altersgruppe der 13- bis 17-Jährigen: eines von acht Kindern lebt nur mit der Mutter zusammen
  • Haushalte der Fortsetzungsfamilie
    • Einer von 20 Haushalten

Familien in der Schweiz und Kinderkosten

Paarbeziehungen

Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung lebt in einer Partnerschaft.

Die Ehe ist nach wie vor die vorherrschende Beziehungsform.

Viele Paare entscheiden sich für eine Heirat erst vor der nahenden Geburt ihres Kindes.

Bei den Paaren lassen sich folgende Entwicklungen ausmachen:

  • Älterer Partner
    • Der Mann ist in der Regel älter als die Frau
  • Altersdifferenz
    • Meist relativ geringe Altersdifferenz der Partner
    • Nur bei einem Zehntel der Paare beträgt die Altersdifferenz 10 Jahre oder mehr
  • Bildung
    • Bei der Mehrheit der Paare haben beide Partner den gleichen Bildungsabschluss
  • Höhere Bildung der Frau
    • Paare, bei denen die Frau über eine höhere Bildung als der Mann verfügt, sind relativ selten, aber zunehmend
  • Herkunft
    • Die Globalisierung führt dazu, dass es heute mehr Paare gibt, in denen die beiden Partner unterschiedlicher Herkunft sind (unterschiedlicher Migrationshintergrund)
  • Rollenverteilung
    • Kinder im Haushalt?
      • Die Rollenteilung in der Partnerschaft wird durch den Umstand beeinflusst, ob Kinder im Haushalt leben
    • Kinderhaushalt
      • Frau entscheidet häufiger über alltägliche und aussergewöhnliche Einkäufe, Sozialleben und Freizeitgestaltung
    • Konflikt im Haushalt
      • Paare mit Kindern im Haushalt
        • bekunden mehr Auseinandersetzungen
        • geben häufiger an, dass sie in Konfliktsituationen zornig wurden oder schrien
      • Paare ohne Kinder im Haushalt
        • meinen, die Sache öfter ruhig anzugehen und auszudiskutieren
    • Gemeinsame Kasse
      • Die Mehrheit der Paare führt eine gemeinsame Kasse
      • Verheiratete Paare und Paare mit Kindern legen meistens das gesamte Haushaltseinkommen zusammen
  • Beziehungsbeständigkeit?
    • Grundsatz
      • Partnerschaften sind heute instabiler
    • Mehrheit mit Dauerpartnerschaft
      • Gut die Hälfte der Frauen und Männer im Alter von 25 bis 80 Jahren lebt mit dem gleichen Partner zusammen, mit dem sie ursprünglich zusammengezogen sind
    • Minderheit mit Partnerwechsel
      • Nur eine Minderheit hat bereits mit mehreren Ex-Partnern bzw. Ex-Partnerinnen zusammengelebt.

Eltern werden

Kinder kriegen und hochziehen, verändert das Leben der Eltern in allen Lebensbelangen.

Hier vorweg einzelne Aspekte:

  • Kinderglück
    • Rund sieben von zehn Frauen bzw. knapp zwei Drittel der Männer im Alter von 25 bis 80 Jahren sind Eltern von einem oder mehreren leiblichen oder adoptierten Kindern
  • Kinderwunsch
    • Paare
      • Junge Frauen und Männer, die keine Kinder möchten oder sich nur ein Kind wünschen, sind heute seltener
      • Die grosse Mehrheit wünscht sich zwei, ein Viertel drei oder mehr Kinder
    • Frauen
      • Frauen, die das Alter der Fruchtbarkeit überschritten haben, gebären weniger Kinder, als man aufgrund der Wünsche der jungen Frauen erwarten dürfte
      • Jede fünfte Frau hat gar keine Kinder
  • Geburtsziffer
    • Die Geburtenziffer, welche quantifiziert, wie viele Kinder eine Frau im Verlaufe ihres Lebens durchschnittlich zur Welt bringt, lag 2014 durchschnittlich bei 1,54 Kindern
  • Alter bei Geburt
    • Seit Jahrzehnten erhöht sich das Alter von Frauen und Männern bei Geburt ihres ersten Kindes
    • Frauen und Männer mit einem tertiären Bildungsabschluss
      • haben ihr erstes Kind später als jene mit einem niedrigen Bildungsniveau
      • bleiben öfters kinderlos
  • Kinderlosigkeit
    • Kinderlose Eltern geben häufig an, dass sich ihre Karriereaussichten mit einem Kind verschlechtern würden.

Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit

Die Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit ist abhängig von der vom Paar gewählten Lebensform:

  • Erwerbstätigkeit
    • Männer
      • Es sind praktisch alle Männer (25- bis 54-jährig) erwerbstätig und zwar hauptsächlich vollzeitlich
    • Bei den Frauen
      • Es sind 6 von 7 Frauen erwerbstätig und 3 von 5 leisten Teilzeitarbeit
      • Die Erwerbsquote sowie der Anteil der Frauen, die Teilzeit arbeiten, unterscheiden sich je nach Familiensituation und Alter der Kinder
      • Frauen sind stärker von einer Unterbeschäftigung und Erwerbslosigkeit gemäss ILO betroffen als Männer
      • Nach der Geburt ihres ersten Kindes gehen Frauen mit einer tertiären Ausbildung häufiger wieder arbeiten, sind aber auch öfter Teilzeit beschäftigt als Frauen mit einem Abschluss der obligatorischen Schule oder der Sekundarstufe II
    • Erwerbsmodell
      • Paare mit Kindern
        • Bei Paaren mit Kindern ist das Erwerbsmodell «Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit» am meisten verbreitet
      • Kinderlose Paare
        • Bei den meisten kinderlosen Paaren sind beide Partner Vollzeit tätig
  • Hausarbeit
    • Grundsatz
      • Hauptsächlich ist die Frau für die Hausarbeit verantwortlich, und zwar abhängig
        • von ihrem Alter (der Anteil steigt mit zunehmendem Alter)
        • davon, ob und wie viele Kinder im Haushalt wohnen
    • Ausnahme
      • Junge kinderlose Paare teilen sich in der Regel die Hausarbeiten
  • Kinderbetreuung
    • Mütter
      • Die Kinderbetreuung, wobei diese Rollenteilung bei Müttern mit einer Ausbildung auf Tertiärstufe
    • Paare, bei denen beide Partner teilzeiterwerbstätig sind
      • Bei Paaren, bei denen beide Partner in Teilzeit erwerbstätig sind, ist diese Zuteilung der Kinderbetreuung etwas weniger ausgeprägt
  • Familienarbeit
    • Grundsätzliches
      • Für die Haus-, Familien- und Erwerbsarbeit wenden Mütter und Väter, die in einem Paarhaushalt leben, insgesamt ungefähr gleich viel Zeit auf
    • Zeitbedarf
      • Der Zeitaufwand hängt ab von:
        • vom Alter des jüngsten Kindes
      • Väter
        • Väter widmen mehr Zeit der Erwerbsarbeit
      • Mütter
        • Mütter befassen sich mit der Haus- und Familienarbeit
    • Arbeitslauf
      • Die gesamte Arbeitslast von alleinlebenden Müttern mit Kindern ist leicht niedriger als jene von Müttern, die mit einem Partner zusammenleben.

Familienergänzende Kinderbetreuung

Viele Familien benötigen eine familienergänzende Kinderbetreuung um Erwerbstätigkeit und Lebensform-Absichten unter einen Hut zu bringen:

  • Ergänzende externe Kinderbetreuung
    • Inanspruchnahme insgesamt
      • 6 von 10 Haushalten mit Kindern unter 13 Jahren nehmen familien- oder schulergänzende Betreuung in Anspruch
    • Regionale Inanspruchnahme
      • Grosse Städten
        • häufigere Inanspruchnahme und Überwiegen der institutionelle Betreuung
      • Übrige städtische und ländliche Gebiete
        • etwas mehr als die Hälfte der Haushalte lassen ihre Kinder extern betreuen und bevorzugen dabei einen nicht institutionellen Rahmen
      • Alleinlebende Mütter mit Kindern
        • nutzen die familienergänzende, insbesondere die institutionelle Betreuung etwas häufiger als Paare
      • Vollzeit arbeitender Vater und nicht erwerbstätige Mutter
        • 1/3 der Paare greift auf familienergänzende Betreuung zurück
      • Bei Paaren, in denen die Mutter einer Erwerbstätigkeit nachgeht
        • 2/3 der Paare nutzen die familienergänzende Betreuung
  • Ausschliessliche Betreuung durch die Eltern
    • Alleinbetreuung durch die Eltern
      • Vorschulalter
        • ¼ der Kinder im Vorschulalter wird ausschliesslich von den Eltern betreut
      • Bei den 4- bis 12-Jährigen
        • beinahe die Hälfte
      • Bei Kindern im Vorschulalter und im Schulalter ist die nicht institutionelle Betreuung durch nahestehende Personen oder unabhängige Tageseltern
        • deutlich häufigste Betreuungsform
  • Dauer der externen Betreuung
    • Regelfall der Betreuungsdauer
      • meistens weniger als 10 Stunden pro Woche
    • Ausnahme-Betreuungsdauer
      • nur selten mehr als 29 Stunden pro Woche.

Finanzielle Situation der Haushalte mit Kindern

Die Finanzen von Kinderhaushalten werden durch Einkommen und Vermögen der Partner, insbesondere durch deren Arbeitspensum und Stellung in Beruf und das gewählte Kinderbetreuungsmodell massgeblich beeinflusst.

Einige Hinweise dazu:

  • Median des verfügbaren Einkommens
    • Der Median des verfügbaren Äquivalenzeinkommens liegt nach dem Bundesamt für Statistik (BFS) bei:
      • Paarhaushalte mit einem oder zwei Kindern
        • CHF 51 300 bzw. CHF 48 800,
          • also zwischen demjenigen von Personen unter 65 Jahren in Paarhaushalten ohne Kinder von CHF 66 000 und demjenigen von Personen in:
      • Paarhaushalten mit drei oder mehr Kindern
        • CHF 41 800
      • Personen in Einelternhaushalten
        • CHF 41 200
  • Paarhaushalte mit Kindern
    • Bei Personen in Paarhaushalten mit Kindern erhöht sich das verfügbare Äquivalenzeinkommen mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes
  • Einelternhaushalte
    • Einelternhaushalte haben es viel schwieriger, finanziell über die Runden zu kommen, als die übrigen Haushalte.

Sozialhilfe, Armut und soziale Sicherheit

Laut BFS seien Kinder unter 18 Jahren in der Sozialhilfe ebenso übervertreten (jede 20. Person dieser Altersklasse beziehe Sozialhilfe) wie Personen in einem Einelternhaushalt.

Die einschlägigen Informationen:

  • Sozialhilfe
    • Herkunft der Sozialhilfebezüger
      • Bei einem Fünftel der unterstützten Paare mit Kindern hätten beide Elternteile den Schweizer Pass
      • Bei einem weiteren Fünftel sei nur ein Elternteil Schweizerin oder Schweizer
      • Bei den restlichen Sozialhilfefällen, die eine Mehrheit bilden würden, stammten beide Eltern aus dem Ausland
    • Anteil der Sozialhilfe an Einkommen
      • Nur bei rund einem Fünftel der Fälle mit Kindern stelle die Sozialhilfe die einzige Einkommensquelle dar
    • Bezugsdauer
      • Bei Fällen mit Kindern sei, so das BFS, die Bezugsdauer länger als in Fällen ohne Kinder

Armut

  • Armutsquote
    • Grundsätzliches
      • Die Armutsquote hänge stark von der Anzahl der Erwerbstätigen im Haushalt ab
    • Anzahl Versorger
      • Besonders hoch sei die Armutsquote in Haushalten, in denen keine Person erwerbstätig sei
    • Alleinlebende bzw. Einelternhaushalte
      • Alleinlebende und Einelternhaushalte seien fast viermal häufiger von Armut betroffen als Paarhaushalte mit oder ohne Kinder
    • Paarhaushalte mit mehreren Kindern
      • Bei Paarhaushalten nehme die Armutsquote mit der Anzahl Kinder tendenziell zu, gehe hingegen mit zunehmenden Alter des jüngsten Kindes im Haushalt zurück
  • Bildungsniveau des Paares
    • Das Bildungsniveau des Paares beeinflusse die Armutsquote des Haushalts
  • Sozialtransfers
    • Sozialtransfers reduzierten die Armutsquote
      • der Gesamtbevölkerung
      • a. von Haushalten mit Kindern
  • Soziale Sicherheit
    • Die Sozialleistungen aus öffentlicher oder privater Hand für Familien und Kinder beliefen sich 2014 laut BFS auf über CHF 9 Milliarden (= 1,5% des Bruttoinlandprodukts).

Das Familienbudget

Ein gewisses Budget der Familienausgaben ist immer zweckmässig und schützt davor, dass nicht mehr ausgegeben wird als beide Partner einnehmen. Auch sollte man sich mit den einzelnen Ausgaben befassen.

Im Einzelnen:

  • Verfügbare Mittel
    • Grundsatz
      • Paarhaushalten mit und ohne Kinder steht in etwa ähnlich hohe Bruttoeinkommen zur Verfügung
    • Unterschied
      • Bei Paarhaushalten mit Kindern müssen mehr Personen von demselben Geld leben
  • Ausgabenstruktur
    • Anpassung des Konsumverhaltens
      • Die Analyse der Ausgabenstruktur zeigt, wo die Haushalte mit Kindern ihr Konsumverhalten anpassen
    • Möglichkeit von Skaleneffekten
      • Die Eltern können bei im gleichen Haushalt lebenden Kindern allenfalls Skaleneffekte erzielen:
        • Ausgaben bei den Kleidern
        • Ausgaben für Spielzeug
        • etc.
    • Altersabhängigkeit der Kinderkosten
      • Die Ausgabenstruktur wird auch vom Alter der Kinder beeinflusst:
        • Haushalte mit kleinen Kindern
          • Ausgaben für Spielsachen
          • Ausgaben für Krippen
          • etc.
        • Haushalte mit älteren Kindern
          • Sport
          • Verkehr
          • Telekommunikation
          • etc.
    • Effektivdaten
      • Nur eine Analyse der effektiven persönlichen Ausgaben zeigt letztlich, wieviel die Haushalte spezifisch für ihre Kinder ausgeben.

Lebensbedingungen, Gesundheit und Wohlbefinden

Das Zusammenleben hängt von den Lebensbedingungen und der Gesundheitsentwicklung der betreffenden Person ab. Das Wohlbefinden referenziert sich einerseits an den konkreten Verhältnissen und andererseits an einer positiven Lebenseinstellung bzw. allf. depressiven Persönlichkeitsstrukturen der Auskunftsperson.

Im Einzelnen:

  • Lebensbedingungen
    • Wohnfläche
      • Haushalte mit Kindern verfügten im Schnitt über weniger Wohnfläche pro Person als andere Haushalte
      • Einelternhaushalte lebten bei gleicher Anzahl Kinder in kleineren Wohnungen als Paarhaushalte
    • Wohneigentum
      • Paare sind häufiger Eigentümer ihrer Wohnung als andere Haushalte,
        • vor allem, wenn sie zwei oder mehr Kinder haben
      • Haushalte mit Kindern haben – im Vergleich zu anderen Haushalten – ein erhöhtes Risiko, in einer überbelegten Wohnung leben zu müssen
    • Handicaps
      • Hintergrundabhängigkeit
        • Bei den Paaren mit Kindern erhöhen folgende Umstände das Risiko, in einer überbelegten Wohnung leben zu müssen
          • ausländische Staatsangehörigkeit
          • niedriges Bildungsniveau
          • Präsenz von drei oder mehr Kindern
        • Einelternhaushalte
          • Am häufigsten mit Mängeln und Einschränkungen bezüglich Ihrer Wohnsituation konfrontiert, sind Einelternhaushalte
  • Gesundheit
    • Vorteile für Zusammenlebende
      • Personen in Partnerschaft (mit oder ohne Kinder) seien körperlich und geistig gesünder, verfügten über mehr gesundheitsfördernde psychosoziale Ressourcen und entwickelten häufiger Verhaltensmuster, die der Gesundheit zuträglich seien als alleinlebende Personen
    • Nachteile alleinlebende Eltern
      • Entsprechend seien alleinlebende Mütter oder Väter in Bezug auf die Gesundheit und gesundheitsförderliche Ressourcen am schlechtesten gestellt
  • Wohlbefinden
    • Zufriedenheit
      • Mit ihrem Leben am zufriedensten seien in folgender Reihenfolge:
        • Personen ab 16 Jahren, die in Paarhaushalten ohne Kinder lebten
        • Personen, die in Paarhaushalten mit Kindern lebten
          • Ausnahme: zu wenig verfügbare Freizeit
        • Personen ab 16 Jahren in Einelternhaushalten,
          • vor allem in Bezug auf die finanzielle Situation
    • Häusliche Gewalt
      • Die Fälle der polizeilich registrierten Gewaltstraftaten ereignen sich innerhalb einer bestehenden oder aufgelösten partnerschaftlichen Beziehung
      • Frauen sind häufiger Opfer von häuslicher Gewalt als Männer
      • Minderjährige Opfer von häuslicher Gewalt durch die Eltern oder andere verwandte Personen sind ebenfalls meistens die Personen weiblichen Geschlechts.

Austausch und Unterstützung zwischen den Generationen

Die familieninterne gegenseitige finanzielle Unterstützung ist in der Generationenfolge oft üblich und auch zivilrechtlich als sog. „Verwandtenunterstützung“ verankert, natürlich nebst des bekannten öffentlich- bzw. sozialversicherungs-rechtlich motivierten Drei-Säulen-Prinzips der staatlichen und beruflichen Vorsorge.

Der Austausch und die Unterstützung innerhalb der Familie verlaufen individuell bzw. situativ:

  • Austausch
    • Der Austausch zwischen Eltern und Kindern besteht fort, wenn die erwachsenen Kinder das elterliche Heim verlassen haben:
      • in Form von Care-Arbeit
        • Kinderbetreuung
        • Hilfe bei persönlichen Verrichtungen
        • Hilfe bei der Hausarbeit
      • finanzielle Unterstützung
  • Gegenseitige Hilfe
    • Kinder
      • Die gegenseitige Hilfe zwischen Eltern und Kindern, insbesondere die Care-Arbeit und finanzielle Unterstützung, macht zwar einen wichtigen Teil aus
    • Nahestehende
      • Care-Arbeit und finanzielle Unterstützung werden aber auch zugunsten von weiteren nahestehenden Personen erbracht
  • Frauen in der Arbeit
    • Teilzeitarbeit
      • Frauen verrichten häufiger Care-Arbeit als Männer
      • Männer holen ihren Rückstand nach Erreichen des Rentenalters bei der Enkelkinderbetreuung teilweise wieder auf
    • Vollzeitarbeit
      • Vollzeit arbeitende Frauen übernehmen weniger Care-Aufgaben als andere
  • Finanzielle Unterstützung zG Kinder
    • Während Erwachsenenleben
      • Im Laufe eines Erwachsenenlebens unterstützt gut ein Zehntel aller Personen Angehörige regelmässig finanziell
    • Ab 40. Altersjahr
      • Ab dem 40. Lebensjahr gestaltet sich der Geldfluss wie folgt:
        • hauptsächlich von den Eltern an die Kinder
        • je älter die Eltern, desto höher die Beträge
    • Finanzielle Schwierigkeiten der Kinder
      • Bei erheblichen Finanzproblemen werden die Eltern häufig als potenzielle Unterstützungsquelle angegangen
  • Finanzielle Unterstützung zG Eltern
    • Eltern im Rentenalter erhalten auch Unterstützung – wenn auch in geringerem Mass – von ihren Kindern
  • Personen ohne private finanzielle Auffangmöglichkeiten
    • Der Anteil der Personen, die niemanden haben, an den sie sich bei finanziellen Problemen wenden können, nimmt generationenbedingt ab dem 55. Altersjahr zu.

Einstellungen

Die Lebensformen-Vielfalt hat in den letzten Jahren zugenommen. Die früheren traditionellen Rollenmodelle haben sich teilweise aufgeweicht. Es sind indessen klare Einstellungsunterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen festzustellen.

Die Bevölkerungseinstellungen lassen sich wie folgt einschätzen:

  • Haltung zu traditionelle Rollenvorstellungen
    • Personen mit grosszügigerem Rollenverständnis
      • Es halten nachgenannte Personen nicht oder weniger-an traditionellen Rollenvorstellungen und Familienbildern fest
        • Frauen
        • Personen mit Ausbildungsabschluss auf Tertiärstufe, geschlechtsunabhängig
        • Personen, die sich als politisch links einstufen
        • Personen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören
        • Personen, die sich als nicht gläubig bezeichnen
  • Erwerbstätigkeit
    • Grundsätzliches
      • Frage, ob und wie die Erwerbsarbeit in Haushalten mit Kindern im Vorschulalter idealerweise aufgeteilt werden sollte
    • Erwerbsmodell der beiderseitigen Teilzeit-Erwerbstätigkeit
      • Erwerbsmodell, wonach «beide Eltern Teilzeit erwerbstätig» sind, wird von diesen am häufigsten genannt
    • Effektives Verhalten
      • Trotz der grundsätzlichen Fragestellung (siehe oben) und des Wunsches nach einer beiderseitigen Teilzeit-Erwerbstätigkeit (ebenfalls siehe oben) teilen sich weniger als ein Zehntel der Eltern mit Kindern unter 4 Jahren die Erwerbsarbeit effektiv auf
  • Teilzeittätigkeit beider Eltern
    • Häufige Tätigkeitsteilung
      • Bei fast drei Vierteln der Eltern, die das Modell «beide Teilzeit» als Ideallösung nennen, sind die effektiven Verhältnisse wie folgt:
        • Vater arbeitet Vollzeit
        • Mutter ist nicht berufstätig oder arbeitet Teilzeit
  • Finanzielle Unterstützung
    • Grundsätzliches
      • Die Bevölkerung ist grundsätzlich positiv zur gegenseitigen finanziellen Unterstützung zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern eingestellt
    • Beurteilung nach Mann und Frau
      • Etwas höhere Zustimmung bei den Männern als bei den Frauen
  • Aufnahme der Eltern bei den Kindern
    • Fragestellung
      • Sollen erwachsene Kinder ihre Eltern, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, alleine zu leben, bei sich aufnehmen
    • Beurteilung nach Mann und Frau
      • Frauen
        • Ein Viertel der Frauen
      • Männer
        • Ein Drittel der Männer
      • Regionale Unterschiede
        • Bereitschaft der Kinder zur Aufnahme der Eltern, ist nach Sprachregionen unterschiedlich:
          • Höchste Zustimmungsrate
            • italienische Schweiz
          • Geringste Unterstützung
            • Deutschschweiz.

Europäischer Vergleich

Ein internationaler Vergleich der Schweiz mit dem europäischen Ausland lässt oft Rückschlüsse zu:

  • Geburtenziffer
    • Schweiz
      • Geburtenziffer von 1,54 Kindern pro Frau
    • EU-Durchschnitt
      • Geburtenziffer von 1,58 Kindern pro Frau
  • Alter der gebärenden Mutter
    • Schweiz
      • Das Alter der Mütter bei Geburt des ersten Kindes ist in der Schweiz relativ hoch
    • EU-Durchschnitt
      • nur in Dänemark und Italien sind die Frauen im Durchschnitt noch etwas älter als in der Schweiz
  • Familienformen und Haushaltstrukturen
    • Schweiz
      • Häufigkeit traditioneller Familienformen und Haushaltsstrukturen der Schweiz im Vergleich zu europäischen Ländern
      • Schweiz mit tiefstem Anteil an ausserehelichen Geburten und auch die Anzahl Ehescheidungen je 100 Eheschliessungen
      • Anteil Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren, bei denen das Paar nicht verheiratet ist oder ein Elternteil allein lebt. ist gering
    • EU
  • Erwerbstätigkeit
    • Schweiz
      • Die Erwerbstätigenquote der 25- bis 54-jährigen Männer und Frauen liegt in der Schweiz über dem europäischen Durchschnitt
    • EU
      • Für die Erwerbstätigenquote der Frauen mit Kindern in Europa spielt es keine Rolle, ob ein Partner im Haushalt lebt oder nicht
  • Teilzeitarbeit
    • Schweiz
      • Der Anteil der Teilzeit arbeitendem Personen ist in der Schweiz bei den Männern wie bei den Frauen höher als im europäischen Durchschnitt und bei den Frauen ist die Teilzeitarbeit stärker verbreitet (unabhängig davon, ob sie mit einem Partner zusammenleben oder nicht)
    • EU
      • siehe Schweiz
  • Drittbetreuung
    • Schweiz
      • Die regelmässige Fremdbetreuung von Kindern unter drei Jahren (Betreuung durch andere Personen als die Eltern)
        • 7 von 10 Kindern
        • = deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegend, wo eines von zwei Kindern extern betreut wird
      • Institutionelle Betreuung
        • häufiger, jedoch für weniger Stunden pro Woche als im europäischen Durchschnitt
      • Privatpersonen-Betreuung
        • Viel häufigere Betreuung, von den Grosseltern oder von unabhängigen Tagesmüttern
      • Lebensstandard von Haushalten in denen zwei Erwachsene mit Kindern leben
        • einer der höchsten Standards Europas
      • Verfügbares Äquivalenzeinkommen von Paarhaushalten mit und ohne Kinder
        • Grosse Unterschiede im Verhältnis zu den meisten anderen europäischen Ländern
    • EU
      • siehe Schweiz
  • Armut
    • Schweiz
      • Die Armutsgefährdung der Paarhaushalte mit drei oder mehr Kindern ist in der Schweiz viel höher als jene von kinderreichen Paarhaushalten zum Beispiel in
        • Deutschland
        • Schweden
        • Dänemark
      • Armutsgefährdung von Kindern unter 18 Jahren, deren Eltern lediglich die obligatorische Schule besucht haben
        • tiefste Europas
    • EU
      • siehe Schweiz
  • Sozialleistungen
    • Schweiz
      • Bei den Ausgaben für Sozialleistungen für Familien und Kinder liegt die Schweiz im Mittel des hohen Niveau der nord- und mitteleuropäischen Länder und des tieferen Niveau der süd- und osteuropäischen Länder
        • Die Schweiz weist – gemessen am Bruttoinlandprodukt mit 1,5% – einen geringeren Ausgabenanteil auf als der europäische Durchschnitt (2,3%)
    • EU
      • Siehe Schweiz
  • Familienleitbilder und Arbeitsteilung
    • Schweiz
      • Regionale Unterschiede und Abhängigkeit vom politischen Denkmuster
      • Nur eine Minderheit meint, dass Frauen und Männer für ein ausgefülltes Leben Kinder haben müssten
    • EU
      • Die Familienleitbilder, die Vorstellungen zur Arbeitsteilung und die Solidarität im familiären Kontext variieren zwischen den verschiedenen Ländern
      • In Frankreich vertritt rund die Hälfte der Bevölkerung die Ansicht, Frauen und Männer könnten nur glücklich und ausgefüllt sein, wenn sie Kinder hätten
  • Einstellungen
    • Schweiz
      • Wenig Zustimmung, dass Kinder die Eltern und umgekehrt bei finanziellen Schwierigkeiten unterstützen sollen
    • EU
      • Bei den Einstellungen zur Generationensolidarität gibt es innerhalb von Europa Unterschiede, zum Beispiel bei der Frage, ob Eltern ihre erwachsenen Kinder bzw. erwachsene Kinder ihre Eltern bei finanziellen Schwierigkeiten unterstützen sollen
        • Frankreich höhere Zustimmung in Deutschland (oder eben der Schweiz).

Ergebnisse und Tendenzen

Bei Vätern mit kleinen Kindern im Haushalt steigt die Teilzeitarbeit in der Schweiz markant an. Dies ist eine Folge der sich veränderten Lebensform-Gestaltung junger Leute. Millennials rücken mehr von der klassischen Rollenteilung von Mann (Vollzeiterwerbsbetätigung) und Frau (Kindererziehung, Haushalt und Teilzeitbeschäftigung) ab und teilen ihre Funktionen in Erwerb und Kinderbetreuung auf.

Kinder aufzuziehen ist bekanntlich teuer. Laut Experten fallen am stärksten die Erwerbseinbussen ins Gewicht. Beim ersten Kind ändert sich das Leben der werdenden Eltern aufgrund der gleichen Rollenverteilung teils völlig (beide Teilzeitarbeit, weniger Einkommen, höhere Kosten, v.a. bei familienergänzender Kinderbetreuung usw.).

Quelle

LawMedia-Redaktionsteam