Stiftungsrecht – Stiftungsreport 2019: Weniger Gründungen, mehr Liquidationen und gleichbleibende Dynamik

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Zahlen, Fakten und Entwicklung

Einleitung

Der Schweizer Stiftungsreport erscheint 2019 bereits zum zehnten Male. Er wird jährlich vom Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel, von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, und dem Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich veröffentlich.

Der Stiftungsreport enthält jeweilen aktuelle Zahlen, Fakten und Trends zum Stiftungswesen aus dem In- und Ausland. Er soll zu einer besseren Wissensgrundlage im Stiftungsbereich beitragen.

Zahlen und Fakten

Das Wachstum im Schweizer Stiftungssektor hat sich im vergangenen Jahr deutlich abgeschwächt:

  • Neuerrichtungen
    • 301 Stiftungen (= tiefster Stand seit 20 Jahren)
  • Stiftungsliquidationen
    • 195 Stiftungen (= höchster Stand seit langem)
  • Stiftungsbestand
    • 13’169 gemeinnützige Stiftungen
  • Ländervergleich
    • Die Schweiz hält international immer noch die Spitzenposition (pro Kopf sechsmal mehr Stiftungen als die USA oder Deutschland)

Bei den Datenerhebungen ist aufgefallen, dass der Kanton Genf, der sich mit seiner Initiative „Genève et la Philanthropie“ aktiv um gute Rahmenbedingungen bemüht, mit 54 Neugründungen und 19 Liquidationen das mit Abstand grösste Nettowachstum im Schweizer Stiftungssektor aufweist.

Umgekehrt zeigte sich bezüglich des Kantons Zürich, dem grössten Stiftungskanton, der durch eine sehr restriktive Steuerpraxis auffällt, ein erstmalig rückläufiges Stiftungswachstum aufweist (29 Neugründungen und 35 Liquidationen).

Einflussfaktoren

Für den rückläufigen Trend gibt es viele Gründe:

  • Organisatorische Probleme bei kleineren Stiftungen
    • Kampf mit geringen Finanzerträgen (Tiefzinsphase?)
    • Schwierigkeiten bei der Nachfolge im Stiftungsrat
    • Zweckerfüllung
  • Regulierungsdichte
    • Zunahme des internationalen Drucks
    • Massnahmen gegen Geldwäscherei
    • Massnahmen gegen Terrorismusfinanzierung
    • Massnahmen gegen Steuerhinterziehung
      • zB geplante Abschaffung der Ausnahmen für gemeinnützige Stiftungen im Automatischen Informationsaustausch
    • Stärkere Bürokratisierung
    • Höhere Kosten.

Demografie des Stiftungsrats

Ein Stiftungsratsmandat ist nach wie vor ein Ehrenamt.

In den 13’169 gemeinnützigen Schweizer Stiftungen waren Ende 2018 folgende Organverhältnisse anzutreffen:

  • Anzahl Stiftungsräte
    • 62’102 aktive Stiftungsräte
  • Mehrfachmandate / Ämterkumulation
    • 1% dieser Personen waren in drei oder vier Stiftungsräten engagiert
  • Diversität im Stiftungswesen
    • Fast ein Drittel aller Stiftungsratsgremien war rein männlich besetzt, wogegen nur gerade 2.1% ausschliessliche Frauengremien waren
    • Auch wenn der Frauenanteil im Schweizer Stiftungssektor mit 28% über demjenigen von Verwaltungsräten in der Wirtschaft (19%) liege, zeige sich ein deutlicher Nachholbedarf

Rechtliche Entwicklungen

Konstatiert wurde sodann, dass Gesetzgebung und Rechtsprechung die Möglichkeiten der Stiftungen und ihrer Organe zunehmend einschränken würden.

Im Bereich der Rechtsprechung ergingen im vergangenen Jahr mehrere bedeutsame Entscheide. Diese Urteile haben Konsequenzen für die Rechte und Pflichten von Stiftungsräte.

Beunruhigend wurde bei den Erhebungen eine neue Rechtsprechungstendenz festgestellt:

  • Gerichte würde jenen Personen, die frühzeitig über allfällige Fehlentwicklungen innerhalb einer Stiftung Bescheid wüssten, durch den Entzug des Beschwerderechts ein wichtiges Governance-Instrument entzogen (Beispiel: Verneinung des Beschwerderechts der abgesetzten Stiftungsrätin bei der Biedermann-Stiftung).

Die geplante Unterstellung gemeinnütziger Stiftungen mit Auslandsbezug und eigenem Vermögen unter den Automatischen Informationsaustausch (AIA) weise auf eine andere bedenkliche Entwicklung hin:

  • Betroffenheit gemeinnütziger Stiftungen von Finanzmarktregulierungen.

Schweiz beim Global Philanthropy Environment Index an vierter Stelle

Der 2018 erstmals veröffentlichte „Global Philanthropy Environment Index“, der nicht das philanthropische Engagement alleine misst, sondern das politische, regulatorische und gesellschaftliche Umfeld für Philanthropie, stellte der Schweiz ein gutes Zeugnis aus.

Es ergab sich, dass die Philanthropie der Zukunft globaler, transparenter, direkter und partizipativer, kooperativer, digitaler, wirtschaftlicher und investiver werde.

Quelle

LawMedia Redaktionsteam

Weiterführende Informationen / Linktipps

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